Okay, fangen wir ganz vorne an... Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrtausends war
Mitsubishi sozusagen die japanische Variante von Audi oder BMW. Sie stellten jede
Menge Fahrzeuge her, die eigentlich sowohl von der Motorentechnik als auch von der
Ausstattung her weit über das Übliche hinausgingen. Eines der größten Projekte war die
Schaffung einer ganzen Fahrzeugflotte, die von Turboladern befeuert wurden. Diese
Fahrzeuge beeindruckten mit für die damalige Zeit wahnsinnigen Fahrleistungen.
Eines dieser Fahrzeuge war der Starion. Gebaut von 1984 bis 1990 wirkte er, als hätte
ein japanscher Designer im Sake-Rausch seine Zeichenutensilien nicht wiedergefunden
und statt dessen das Äußere mit einer Axt oder einem Samurai-Schwert entwickelt.
Heraus kam eine Karosserie, die wie die Kreuzung eines DeLorean und eines Porsche
944 mit Elementen eines Audi Quattro wirkte. Und weil das nun noch nicht reicht, kam
das entsprechende Triebwerk rein. Anfangs ein 2,0 Liter Turbo mit um die 180 PS, später
wurde ein für den Geländewagen Pajero vorgesehener Motor auf 2,6 Liter erweitert und
ebenfalls mit Ladeluftkühlung und Turbolader versehen. Inzwischen war die Zeit des
verstärkten Umweltbewußtseins angebrochen, und da er nun auch noch Katalysatoren
und Abgasrückführung mit rumschleppte sank die Leistung auf 155 PS.
Nicht gerade viel - aber die alte Regel sagt: Hubraum ist durch nichts zu ersetzen, außer
durch mehr Hubraum... Und da sind 2,6 Liter doch schon recht viel - vor allem, wenn sie
sich nur auf vier Zylinder verteilen.
1988 sah ich den ersten Starion bewußt, und damals schwor ich mir: So einen willst Du
haben. Es vergingen die Jahre, es kamen Ehe, Jobänderungen, Selbständigkeit, und ich
verlor den Starion aus den Augen.
Bis ein Freund aus der Youngtimerszene sich von seinem trennen mußte - ich konnte
nicht anders, ich mußte handeln. Ich wurde mich mit ihm handelseinig, und nachdem das Fahrzeug die letzten Jahre nur gestanden hatte ging es an den Wiederaufbau. War mein
Sapporo schon ein Exot, so wurde das noch vom Starion getopt. Ersatzteile bekommt
man bei Mitsubishi - sofern erhältlich - nur gegen Gehaltsabtretung und Hypothek auf
das Haus. In den USA ist allerdings noch vieles erhältlich, da er sich hier als Dodge
Conquest großer Beliebtheit erfreut.
Inzwischen läuft er wieder ganz gut - man könnte auch sagen brutal. Die nur Leistung
fressende Klimaanlage verschwand, ebenso die Abgasrückführung. Sie diente nur den
strengen Auflagen in Kalifornien... Der Vorkatalysator wurde gegen eine Downpipe von
Racetep ersetzt, ein offenes Blow-Off samt Boost-Controller sorgt für besseres Verhalten
Des Turbos. Das Ergebnis: So um die 270 Pferdchen, die an der Hinterachse kräftig für
Vortrieb sorgen.
Apropos Vortrieb. In den 80ern gab es ja kein ESP... ABS war aufpreispflichtig und noch
nicht so ausgereift wie heute. Mitsubishis Lösung hieß "ASBS" - eine Art mechanisches
ABS kombiniert mit einer Sperrung der Hinterachse. Und nur an der Hinterachse...
Das Ergebnis ist ein brüllendes, pfeifendes Monster, das nur ein Ziel kennt: Auf den
heimischen Landstraßen Gegner zu finden und zu frühstücken. Brachiales beschleunigen
trifft dank der Kugelumlauflenkung auf präzises Lenkverhalten in Kurven - okay, der
Geradeauslauf ist da nicht so klasse.
Wie sagt ein Clubkamerad so schön? " Der brüllt nicht, der singt das Lied der